White Lion - Concert Anthology 1987 – 1991

9.0 von 10 Punken


Erscheinungsjahr
2005

Besetzung
Gesang – Mike Tramp
Gitarre – Vito Bratta
Bass – James Lomenzo
Schlagzeug – Greg D´Angelo


Tracklist
Concert Anthology:
1. Hungry
2. Don´t Give Up
3. Lonely Nights
4. Seet Little Lovin´
5. Broken Heart
6. Fight To Survive
7. Tell Me
8. All Join Our Hands
9. Wait
10. When The Children Cry
11. All You Need Is Rock ´n´ Roll
12. All The Fallen Men

-Szenenauswahl
-Behind The Scene Interviews
-Freak Of Nature (Mike Tramp Side Project) Live In Japan
-Broken Heart (unreleased Video)
-Gesamtspielzeit: über 2 Stunden


Datum: 17.02.2008 - Autor Psychobimbo
Meine Freundin, deren hardrockiger Background mit Guns anfängt und mit Roses aufhört, fragte mich jüngst was es denn wirklich mit meiner ewigen 80er Verklärung auf sich hat, da es doch gut war das die 80er diesen ganzen Mist weggeschwemmt hat. Nachdem mein erster Zorn verklungen war habe ich den Plan gefasst sie ernsthaft über die musikalische Größe dieses Jahrzehnts aufzuklären und ihr mit einer DVD zu beweisen das die 80er nicht umsonst als DAS Jahrzehnt des Hardrocks und Heavy Metals genannt werden.

Soll ich es mit einer Crüe DVD versuchen? Nö, das wäre ihr zu wild und nicht nachvollziehbar genug. Etwa Poison? Nein, wenn sie ihren böswilligen Tag hat biete ich ihr hier zu viele Ansatzpunkte zur Kritik. Dann vielleicht Tesla? Gut, aber da gibt es keinen wirklich guten Mitschnitt aus ihrer Hochzeit. So ging ich meine Sammlung durch und bei aller Wahrhaftigkeit konnte ich nicht wirklich die komprimierte Klasse entdecken die ihr den Wind aus den Segel nehmen sollte. So lange bis…

…ich auf die „Concert Anthology 1987 – 1991“ von White Lion stieß. Ja genau, hier lag die Antwort begraben und es würde nur etwa 2 Stunden ihrer Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen bis sie kleinlaut zugeben werden muss das dies hier mehr ist als der ganze Bullshit der sie die letzte Dekade begleitet hat.

Aber der Fairness halber möchte ich nicht unvorbereitet in die Sache einsteigen und schaue mir die DVD erst einmal selber bei einem Gläschen Rotwein an. Und, soviel möchte ich vorwegnehmen, ich habe beschlossen ihr dieses Geheimnis weiterhin vorzuenthalten bis sie es meiner Meinung nach verdient hat eingeweiht zu werden.

Der Hauptbestandteil ist natürlich der Zusammenschnitt aus ein paar Konzerten, welche scheinbar irgendwann zu „Pride“ Zeiten fürs Fernsehen mitgefilmt wurden. Dementsprechend retrospektiv auf VHS Niveau ist die Geschichte von der Klang und Bildqualität. Aber das was man zu Sehen und Hören bekommt ist dermaßen großes Melodic Metal und Hardrock Kino das es dem Fan die Tränen in die Augen treibt. Einzeln auf die Setlist einzugehen wäre übertrieben, ist doch jede dargebotene Nummer ein Sahnestück der Extraklasse. Das dabei einige Göttergaben auf der Strecke blieben versteht sich von selbst. Schade, aber das ist nachträglich halt nicht mehr zu ändern.

Die Band hatte alles und in dem Fall wirklich ALLES was es an diesem Genre zu lieben gibt. Die Songs welche so erhaben sind das ich die Lieder sicher noch auf dem Sterbebett mitsingen werden kann. Eine Performance die für die riesigsten aller Stadien bestimmt gewesen wäre. Einen Gitarristen der zwar aussieht wie ein frisch auf der Parkbank erwachter Yngwie Malmsteen, aber sein Instrument beherrschte wie kaum ein Anderer seiner Gilde und ein Spiel hatte das einem Eddie Van Halen zur Ehre gereichen würde. Dazu noch eine Rhythmustruppe welche den Ausdruck Solide eine neue Bedeutung verleiht und obendrein einen Sänger und Frontmann der nicht nur aussieht wie ein Sexsymbol sondern auch über eine der tollsten und eigenständigsten Stimmen verfügt. Eine Band wie aus dem Bilderbuch und von einer Güte wie man sie seit jenen Seeligen Tagen leider so gut wie nicht mehr geboten bekommt.

Gerade Mike turnt auf der Bühne umher als ob er Kilometergeld beziehen würde und erntet vom Publikum dafür Applaus wie der dümmste Bauer seine Kartoffeln. Vielleicht sind die Glitzerklamotten heute etwas seltsam anzusehen aber für diese Frisur würde auch jetzt noch jede Frau töten. Vito hält sich bewegungsmäßig eher im Hintergrund und konzentriert sich auf sein versiertes, ausdrucksstarkes Spiel, welches belegt wie virtuos der Meister die Sechsseitige beherrschte. Was ist an dem Mann für ein Genie verloren gegangen. Eine Schande das er sich aus dem Business und der Musik verabschiedet hat. Dafür ist uns der coole James Lorenzo am Bass erhalten geblieben, wenn auch nicht bei White Lion sondern bei Zakk Wyldes Black Label Society.

Es mag vermessen klingen aber in einer Zeit in dem die Musikwelt (zurecht) von der Uraltaufnahme des Iron Maiden Klassikers schwärmt, muss im Geldbeutel einfach noch soviel drin sein damit auch einem anderen Highlight huldigen kann.

Nein, ich behaupte nicht das der technische Standart von „Live After Death“ gehalten wird, aber das kann man von einer Band welche erfolgstechnisch doch ein paar Ligen weiter unten spielte nicht erwarten. Das ändert aber auch nichts an der Freunde die man bei sehen empfindet. Das hier waren die 80er und besser konnte man den Zeitgeist damals nicht einfangen.

Als Bonusmaterial bekommt man ein unveröffentlichtes Video zu „Broken Heart“, eine ausführliche und witzige Interview Sektion und einen tollen Ausblick in Mike Tramps Post-White Lion Leben mit Freak Of Nature. Aber das ist alles nur Beiwerk zu dem Mainkapitel und das ist die oben erwähnte Live-Footage.

Dies hier ist das Vermächtnis einer Band welche trotz respektabler Verkäufe und ihrer guten Reputation weit hinter ihrem verdienten Erfolg geblieben ist. Es ist zu wünschen das die alten Anhänger noch soviel Interesse mitbringen und ihre Jugend mithilfe dieser DVD aufleben lassen. Und Leute wie meine desinteressierte und uninformierte Freundin haben es nicht verdient an diesem Schatz aus der „Goldenen Zeit“ teilzuhaben.

Eine Pflicht DVD für Freunde des anspruchsvollen, hitgeladenen und mitreißenden Hardrocks und Melodic Metals, ebenso wie das Ticket für das Bang Your Head Festival 2008, bei dem man eine auferstandene Version des Weißen Löwen um Mike Tramp abfeiern kann.





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