Warrior Soul - Chill Pill-Re-Release

7.5 von 10 Punken


Erscheinungsjahr
2006

Label
Escape Music

Besetzung
Kory Clarke - Lyrics, Vocals
Pete McClanahan - Bass
John Ricco - Guitar
Mark Evans - Drums
Michael Monroe - Sax, Harp
Andy Haas - Didjeradu

Tracklist
1.Mars
2.Cargos Of Doom
3.Song In Your Mind
4.Shock Um Down
5.Let Me Go
6.Ha Ha Ha
7.Concrete Frontier
8.I Want Some
9.Soft
10.High Road

Bonustracks:
11.Mars (Live)
12.Cargos Of Doom (Live)
13.Song In Your Mind (Live)
14.Shock Um Down (Live)
15.Mark & Kory Interview

Datum: 13.05.2006 - Autor Psychobimbo
Nach dem die ersten drei Alben um Frontkoryphäe Kory Clarke trotz des ausgesprochen kreativen, rebellischen und besonderen Anspruchs nicht zu den erhofften Megasellern wurden, hat man bei Geffen Records die finanziellen Mittel selbstverständlich arg nach unten geschraubt. Unzweifelhaft gehörten Warrior Soul zu den einflussreichsten und wichtigsten Bands der 90er, aber leider Gottes war man damals seiner Zeit einfach Jahre voraus und mit ähnlichen Sound haben andere den großen Reibach gemacht.

Dass sich da in der aufgewühlten Kriegerseele ein gewisser Unmut über das Label und den mangelnden Support breit machte, ist nicht verwunderlich und so geriet das Geffen Records Abschiedsalbum zu Korys persönlicher Abrechnung mit dem Label: Ein durchwegs unkommerzielles und unverkäufliches Album, das Labelchef Geffen der Sage nach einen Herzinfarkt beschert hat. Das war 1993 und seitdem hat sich vieles in der Musiklandschaft verändert.

Waren die ersten Alben noch von wütendem Punk mit starkem Alternativeeinschlag (damals gab es diese Schiene noch nicht) geprägt, so kann man "Chill Pill" als wirres, hartes und vor allem anstrengendes Psychodelicrockalbum bezeichnen, das einem nicht wirklich wie eine entspannende Pille runtergeht, sondern eher wie ein rostiges, mit Rasierklingen besetztes Zäpfchen den Arsch aufreißt. Definitiv kein Album zum nebenher hören, sondern ein Statement aus dem Verzweiflung, Kampfeswille und Anarchie spricht. Keineswegs wird hier durchgehend das Gaspedal durchgedrückt, ganz im Gegenteil. Das Werk bezieht seinen Glanz durch die in Nebelschwaden verschwindenden Noizeattacken, kombiniert mit ultraschrägem Triprockarrangement.

Während "Cargos Of Doom" ganz nach einem Brückenschlag zwischen Industriegott-Beschwörung und Schamanentum klingt, so kommt "Ha Ha Ha" wie eine Messerattacke eines ausgehungerten Junkies.

Wenn die kleine Nachbarin das nächste Mal nach Kurt Cobains Nirvana fragt, dann leg dieses Album auf und besorg ihr die Psychose ihres Lebens.

Demnach auch hier wieder eine Scheibe, die man als Freund von straightem Rock getrost im Laden stehen lassen darf und die auch dem Groß der Warrior Soul Fans ein Fragezeichen ins Gesicht zaubert. Doch wie gesagt handelt es sich hierbei nicht um den Versuch eines großen Musikers, sein Publikum zu gewinnen, sondern um ein Tier im Todeskampf, welches zwar bereit ist, die Konsequenzen für sein Beißen zu tragen, aber dennoch nicht die Hoffnung auf das Wunder der Wiedergeburt aufgegeben hat.

Wer hören möchte, wie es sich anfühlt, wenn sich das Gift durch die Blutbahn schlängelt, der kann sich den Rerelease, welcher noch um einige Livetracks und ein Interview aufgemotzt wurde und mit einem coolen Remastering aufwarten kann, gerne krallen. Ansonsten ist es wohl ratsam sich "Chill Pill" als letztes und abschließendes Werk dieser Ausnahmeband zu besorgen, um nicht vorschnell die Lust auf weiteres Experimentieren zu verlieren.

Ach ja, übrigens hat hier Gastmusiker Michael Monroe von Hanoi Rocks für Unterstützung am Saxophon gesorgt.







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