Nevermore - The Politics Of Ecstasy

9.5 von 10 Punken


Erscheinungsjahr
1996

Label
Century Media Records

Besetzung
Gesang: Warrel Dane
Lead-Gitarre: Jeff Loomis
Rythm-Gitarre: Pat O´Brien
Bass: Jim Sheppard
Schlagzeug: Van Williams


Tracklist
1. The Seven Tongues Of God
2. This Sacrament
3. Next In Line
4. Passenger
5. The Politics Of Ecstasy
6. Lost
7. The Tiananmen
8. Precognition
9. 42147
10. The Learning !!!

Datum: 02.12.2008 - Autor Chris
Nach nur einem Jahr präsentierten uns Nevermore den zweiten Longplayer mit dem Titel“ The Politcs Of Ecstasy“. Die Jungs aus Seattle legen mit diesem Teil deutlich zu, was den Ideenreichtum, die Verspieltheit und den technisch extrem hohen Anspruch angeht. Mit dem Vorgänger und gleichnamigen Album hat sich Nevermore bereits zu Sanctuary distanziert und musikalisch neue Wege eingeschlagen. Doch bei dieser Scheibe topt ein Song den Nächsten.

Grade das scheint die Fangemeinde jedoch zu spalten, denn wir werden hier geradezu mit Breaks und Tempowechseln bombardiert, was einigen etwas bitter aufstößt, da sich die Titel nicht unbedingt nach dem ersten durchhören ins Gedächtnis einbrennen.Hat man sich erst einmal reingehört, offenbart sich jedoch ein äußerst abwechslungsreiches Teil, was mir heute noch bei jeden Durchgang eine Gänsehaut über den Rücken jagt.

Als Opener hätten wir “The Seven Tongues Of God“ zu verbuchen, welches den Eindruck erweckt, als würden die Herren an das Debut anknüpfen. Doch schon im Verlauf dieser Nummer zeigt sich, das Nevermore sich weiterentwickelt haben. Breaks, krumme Takte und Soli vom Allerfeinsten werden dem geneigten Hörer hier auf die Ohren geschmettert. Besonders Warrel Danes Gesang und die fette Gittarrenarbeit von Jeff Loomis sind hier zu erwähnen. des Weiteren folgen mit“This Sacrament“ und “Next In Line“ zwei weitere Titel, die einem keine Pause in Sachen Moshen und Ausrasten gönnen. Erst ab “Passenger“ wird einen Gang zurückgeschraubt und eine Ballade im weitesten Sinne bietet sich dar. Inhaltlich wird die Distanzierung zu Sancturay thematisiert. Allerdings lassen sich die äußerst metaphorischen Texte gut auf viele Gesellschaftspolitischen Bereiche übertragen.

Mit dem Titelsong “The Politcs Of Ecstasy“ werden wir in eine sehr düstere und bedrohliche Atmosphäre gezogen. Die Mid/Low-Tempo-Nummer zieht einen fast acht Minuten in einen dunklen Abgrund aus tragenden Riffs und wahnsinnigen Soli und hinterlässt ein fast schon mulmiges Gefühl in sämtlichen Fasern des Körpers. Mit “Lost“ und “The Tiananmen“(wenn jemand herausfindet,was das bedeutet, bitte dringend bei mir melden) wird wieder einen Gang nach oben geschaltet. Grade “The Tiananmen“ ist ein heftiger, grooviger Stampfer, bei dem es mich nicht mehr auf dem Sessel hält. “Precognition“, welches ein reines Instrumental ist und das etwas text karge “42147“ leiten den Höhepunkt ein. Zweifelsohne gehört “The Learning“ zu dem Besten, was Nevermore bis zum heutigen Tage abgeliefert haben. Der Song strotzt nur so vor Innovationen und Dynamik. Langsam und gefühlvoll wird der Song von Jeff und Warrel eingeleitet, wonach stetig alle Virtuosen der Formation sich einreihen und ihren Beitrag leisten. Dann hat man das Gefühl, der Motor ist endgültig angesprungen und hat auch nicht vor, so schnell wieder auszugehen.

Permanent steigert sich die über sechzehnminütige(ja, ich weis, da ist noch der Hidden-Track mit dabei) Nummer und zeigt die gesamte Bandbreite, die Nevermore zu bieten hat.

Alles in allem hat Nevermore hier die Muskeln spielen lassen und uns ein sehr abwechslungsreiches und psychedelisch-melancholisch anmutendes Album vor den Latz geknallt, welches sicher nicht den Anspruch hat, jedem zu gefallen. Aber das soll es sicher auch nicht, denn es ist weit davon entfernt, in irgendeiner Weise kommerziell daherzukommen.

In meiner Welt ist es in die Annalen der ewigen besten Alben eingegangen, die jemals auf einen Silberling gebrannt worden sind. Ich ziehe demütigst meinen Hut vor dieser Leistung. Anspieltipps sind auf jeden Fall....ach was sag ich, jeder Song ist ein Highlight für sich. Viel Spaß dabei und bis demnächst.



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