Demolition 23 - Same

10.0 von 10 Punken


Erscheinungsjahr
1994

Label
Polygramm

Besetzung
Michael Monroe – Vocals, Harmonica
Sami Yaffa – Bass
Jay Hening – Guitars
Jimmy Clark - Drums

Tracklist
1. Nothing´s Alright
2. Hammersmith Palais
3. The Scum Lives On
4. Dysfunktional
5. Ain´t Nothing To Do
6. I Wanna Be Loved
7. You Crucified Me
8. Same Shit Differnet Day
9. Endangered Species
10. Deadtime Stories

Datum: 16.03.2007 - Autor Psychobimbo
Vergessene Perlen, unterbewertete Highlights und überhörte Meilensteine gibt es so einige im Hard & Heavy Bereich. Die Szene ist keine rosa Ponywelt und es ist mitnichten so das sich Qualität letzten Endes durchbeißen wird. Warum ich das hier schreibe? Weil es sich bei Demolition 23 um das Projekt von Michael Monroe handelt mit dem er nicht nur sein persönliches Meisterwerk abgeliefert hat sondern zugleich das beste Punkrockscheibchen der 90er eintütete.

Müsste ich die drei energiegeladensten und herausragendsten Genrescheiben der 90er wählen, diese hier wäre auf alle Fälle mit dabei. Dass Michael ein Punker im Glamlook ist, konnte man auf allen seinen Outputs hören. Aber hier hat er wirklich Haarspray, Lippenstift und Eyeliner beiseite gelegt und lässt ein Feuerwerk vom Stapel das sich mit den größten Scheiben der Ramones und Iggy Pops messen kann. Und möglicherweise sogar als Sieger hervorgeht. Auch wenn man mit einer Johnny Thunders und einer Stiv Bators Coverversion tief in den Punkrockanalen gegraben hat, so ist jede einzelne der eigenen Nummern ein Meisterwerk für sich. Mit dieser beklemmenden, rotzigen und ultra-wilden Achterbahnfahrt ist in Sachen Punkrock alles gesagt und den dutzenden von Nachwuchspunkern welche in dieser Dekade ans Tageslicht krochen die Daseinsberechtigung entzogen. Textlich hervorragend – musikalisch durchschlagend.

„Nothing´s Alright“ ist eine Doc Martens besohlte, tänzelnde „No Future“ Homage, welche durch ihr Kernthema zum Mitgrölen, zum Pogen und zur absoluten Dancefloor-Anarcho-Zerstörungsorgie zwingt. Gegen diesen Flächenbrand im Ohr hilft keine Medizin. Ausflippen ist Pflicht.

„Hammersmith Palais“ dagegen ist ein gutgelaunter und doch durchgedrehter Pissestrahl auf Onkel Herberts Wohnzimmertisch. Da fliegen die Chucks durch die Luft, da kneift die Jägermeisterflasche in der Brusttasche, und das Nietenhalsband scheuert verschwitzt in der Leistengegend. Luftgitarrespielen und Sicherheitsnadeln durchs Ohr stechen hat noch nie soviel Spaß gemacht.

„The Scum Lives On“ klingt wie eine Abrechnung mit der Welt und gleichzeitig eine Huldigung an die Besonderen. Diese Nummer bietet mehr als alle Offsprings und Green Days zusammen. Eine vor Kraft strotzende Kampfansage des kleinen Mannes an das Establishment.

„Dysfunktional“, das ist klassischer 70er Punk in seiner destruktivsten Form. Der ausgestreckte Mittelfinger, das versiffte Schnapsglas und der grintige Hinterhof – auf vertonte Art in Liedform gepackt. Besonders geil kommt der urtypische M.M. Mundharmonikaeinsatz zum durchgängigen Stampfbeat. Hier hört man die Knöchel knacksen.

„Ain´t Nothin´ To Do“ tönt als Statement und Bekenntnis wessen musikalischen Geistes Kind man ist. Der Nasenpopel an Mutters Sonntagskleid, ein Salzfass im wund geklopften Hinterteil.

„I Wann Be Loved“ – Besser hätten es die New York Dolls damals auch nicht auf die Reihe gekriegt. Ein schalkhaftes Liebeslied, welches die Angebetete mit Sicherheit rasend schnell Reißaus nehmen lässt. Es sei denn es handelt sich um eine richtig bösartige Rumtreiberin.

„You Crucified Me“ rockt dann wieder das Haus. Das unheilschwangere Enrico Morricone lastige Intro führt geradewegs hinab in ganz verzweifelte und magengeschwürige Tiefen. Der traurige Chorus macht die immer wieder aufkeimenden Hoffnungen zunichte. Ganz großes Gefühlskino welches einem ein Bild vorgaukelt in dem man sich selbst durch die schmierigen Gassen von Soho suchen sieht.

Was denkt man sich bei „Same Shit Different Day“? Wieder Zeit für Pogo und blutige Nasen? Schrammelgitarren im lässigsten Sex Pistols meets The Stooges Stil lassen einen keinen Moment stillhalten. Doomsday Rock ´n´ Roll mit ordentlich Saft im Gebälk. Der Ramones Chorus macht das Kraut fett.

„Endangered Species“ nennt sich ein Song zum Hotelzimmer verwüsten. Zornig, respektlos und jugendlich geht’s hier zur Sache und man bekommt Lust auf Dinge für die man eingelocht werden kann. Adrenalin gepushtes Schneegestöber in der Nase, hach, könnte man doch mit den Ohren sniffen.

Das Ende ist erreicht mit„Deadtime Stories“. Eine wunderschöne und sehr einfühlsame Ballade die Michael in Erinnerung an sein großes Vorbild und Idol Stiv Bators geschrieben hat. Ein lied voller Emotionen und nichts weniger als der finale Höhepunkt einer Cd welche mit Fug und Recht als eine der lebendigsten und zerstörerischsten der jüngeren Rockgeschichte gelten sollte.



Um es auf den Punkt zu bringen:

Eine Scheibe für die es sich lohnt sich in die Flammen zu stürzen um sie aus dem brennenden Haus zu retten. Die volle Punktzahl wird dem Wert des Albums nicht gerecht. Produziert, in Szene gesetzt und mit allem wichtigen Punkrock Insignien versehen wurde der Rundling übrigens von niemand geringerem als Little Steven. Selbst Warrior Soul Ikone und Frontgaul Kory Clark ließ sich nicht die Ehre nehmen diverse Background Vocals beizusteuern. Demolition 23 – ein einziges Must-Have.









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