Agrypnie - 16[485]

10.0 von 10 Punken


Erscheinungsjahr
2010

Label
Supreme Chaos Records

Besetzung
Geang/Gitarre/Keyboards: Torsten
Livegitarre: Patrick
Livegitarre: Martin
Schlagzeug: René
Studiobass: Phil
Livebass: Carsten

Tracklist
1.Figur 109-3
2.Der tote Trakt
3.Kadavergehorsam
4.Verfall
5.Schlaf
6.Zorn
7.F15.2
8.Morgen
9.16[485]/ Brücke aus Glas
10.Figur 109-1

Datum: 11.03.2010 - Autor
Okay, geneigter Freund der schwermetallischen Klänge, jetzt mal ehrlich: Wann hat dich das letzte Mal ein Album so sehr aus den Latschen gehauen, dass du es nicht nach ein paar Durchläufen im Regal hast verstauben lassen? Wann hast du das letzte Mal eine neue, dir bis dato noch vollkommen unbekannte Band gehört, die dir während der ersten Minuten das Gefühl verlieh, das du gehabt hast, als sich erstmalig „Altars Of Madness“, „Human“ oder meinetwegen halt auch „Reign In Blood“ unter deiner werten Diamantnadel drehten? Wann wünschtest du dir zuletzt, du hättest diese, und zwar genau diese Texte geschrieben, weil du den Eindruck nicht loswurdest, da hätte jemand deinen Schädel aufgebohrt und aus den Hirnfasern deine, ja deine Gedanken gezehrt?

Bei mir ist es jetzt etwa drei Wochen her, dass Claudio mir die neue CD einer aus den Trümmern von Nocte Obducta, die mir als Nicht-Black-Metal-Experten ebenfalls kein Begriff waren, entstandenen Band namens Agrypnie in die Hand drückte. Kurz ins Info geschaut, über den arg akademischen Stil „Post Black Metal“ geschmunzelt und die CD zum Nebenbeihören eingelegt, horchte ich nach wenigen Minuten auf: Denn die hier können alles. Können Zehn-Minuten-Songs schreiben, die man sich dreimal hintereinander zu Gemüte führt, weil man beleidigt ist, dass sie schon nach zehn Uhrumdrehungen enden. Können diese Songs aus Black-Metal-Gedresche, Celtic-Frost-Kälte, Bathory-Hymnen und fast schon indierockigen Gitarren zusammensetzen, mit Elektronik und Akustikgitarrensoli garnieren und dennoch eine beinahe hardcorepunkige Leckt-Mich-Haltung verbreiten. Können einen Song „Kadavergehorsam“ nennen, ohne auch nur in die Nähe von Slime-Klischees zu geraten. Können die Vocals so manisch kreischen, dass dir das Blut gefriert und du dennoch mitschreien musst.

Und sie, d.h. ihr Sänger und Band- bzw. Projektgründer Torsten, können Texte schreiben, die Kultur- und Zivilisationskritik, nein den Ekel vor einer degenerierten und saturierten Welt auf den Punkt bringen, ohne auch nur das Geringste mit Patchouliweltschmerz zu tun zu haben. Beispiel gefällig, was die hier von den ganzen in den Hochglanzmagazinen gehypten Gossenpoeten unterscheidet? „In Rot getränkte Leichentücher tropfen stetig von den gläsernen Ruinen. Letztes Zeugnis einer dem Untergang geweihten Zivilisation. Wühlt in Trümmern, sucht Erleuchtung, hofft auf einen neuen Morgen ohne Todeshauch in euren Reihen.“ Hier trifft Georg Heym auf Jello Biafra im Grand Hotel Abgrund und kaum einer merkt es. Aber wen wundert das ernsthaft?

Klar, dass das viel zu hoch für die ganzen Nasen ist, die nur jene Silberlinge zu Alben des Monats küren, die abgenudelte Dreifingerriffs der Marke Icy Daisy bis in alle Ewigkeit dudeln. Klar, dass „16[485]“ für genau diese Bierschiss- und Rumprollschreiberlinge nichts ist. Klar aber auch, dass Agrypnie einen Diehardfan mehr haben.



Autor: Lars

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