Immer besser werden.....

Es ist immer eine Freude, wenn man eine CD hört, auf der die alten Helden, in diesem Falle Alan Tecchio, beweisen, dass sie zu Recht in die Kategorie Helden gesteckt wurden. Es gibt Alben/Bands die beim ersten Kontakt direkt Verwunderung und Begeisterung hervorrufen und selbst höchsten Ansprüchen genügen können. Wenn es sich dann nur um ein derart ambitioniertes Konzeptalbum wie “Dethroned” handelt, dann brechen bei Fans, ich bin nun einmal in erster Linie noch einer, alle Dämme und man versucht das Album zu sezieren, zu verstehen und geht in diesem Umstand regelrecht auf. Natürlich musste ich mich dann schleunigst hinsetzen und die Band mit ein paar Fragen bombardieren, die Gitarrist Justin Jurman auch sehr schnell und umfangreich beantwortet hat. Nur eine Frage hat Sangesgott Alan Tecchio selbst beantwortet und dort hat er dann auch noch eine faustdicke Überraschung eingebaut, also man darf gespannt sein.
Bitte stelle uns Autumn Hour zuerst einmal vor?
Justin: Autumn Hour ist ein Quartett aus den Vereinigten Staaten. Unser Sänger Alan Tecchio hat schon mit ein paar legendären Bands, wie Watchtower, Hades und Non Fiction, Alben aufgenommen und die Bühne geteilt. Des weiteren ist er auch noch ein sehr guter Freund von mir. Unsere Freundschaft ist aus dem Respekt vor den jeweiligen musikalischen Fähigkeiten entstanden. Ich war mal in einer Band, die für Non Fiction eröffnet hat und Alans gesangliche Fähigkeiten und seine tiefgehenden Texte haben mich einfach weg geblasen. Wir entwickelten eine tiefe Freundschaft und haben im Jahre 2003 angefangen Material zu schreiben und zwar ohne wirkliche Richtung, sondern nur um kreativ zu sein und diesen Prozess zu genießen. 2008 spielten wir dann mit dem Gedanken, die Songs aus dem Jahre 2003 als Band zu spielen. Wir haben echt Glück gehabt mit Bassist Clint Arent und Drummer Dave Lescinsky die richtige Leute für eine Band zu finden. Clint kannte Alan noch aus der Zeit als er mit Seven Witches zusammengearbeitet hat und Dave war Alans alter Zimmergenosse und hat mit ihm ein paar Jahre zusammen bei Hades gespielt. Es war überraschend wie gut wir uns alle verstanden haben und eigentlich schockierend, in einer positiven Art und Weise, wie inspirierend das Schreiben des Albums beeinflusst wurde.
Hinter “Dethroned” steckt ein Konzept, welches auf “The Singularity Is Near” von Ray Kurzweil basiert. Leider kenne ich die Geschichte nicht und alles was ich weiß ist, dass es sich um moderne Technologien, Nanozeugs, Künstliche Intelligenz und so einen Kram dreht. Wie würdest du “Dethroned” in deinen eigenen Worten beschreiben?
Justin: der Titel “Dethroned” repräsentiert die Entthronung der Menschheit wie wir sie kennen. In dem Moment wenn die Leute bemerken, dass sie Teil eines verheerenden Events sind, der alle Dinge schnell ins Negative umkehrt. Ich würde es so beschreiben, wir leben in einer Zeit des technischen Fortschrittes, der unsere Spezies für immer verändern wird. Technologie, besonders die Computerprozesse, entwickeln sich exponentiell, aber die menschliche Biologie nicht. Wir, als denkende un intelligente Spezies, merken dies natürlich und anstatt und wirklich entthronen zu lassen, verschmelzen wir mit der Technologie. Das merkt man heute bereits im biomedizinischen Bereich an Dingen wie automatische Implantate bei Diabetes Erkrankungen.
Musikalische und textliche Konzepte sind die höchste Form der musikalischen Unterhaltung. Man muss einen Weg finden den Hörer zu fesseln und ihn in das Konzept zu ziehen, zu führen. Die Musik muss mit den Texten arbeiten, nichts darf vergessen werden und noch tausend andere Kleinigkeiten, die man beachten muss. Ich glaube, dass das entwerfen eines Konzeptes um einiges schwerer ist, als ein normales Album und auf der anderen Seite ist es auch künstlerisch viel erfüllender.
Justin: Das ist so wahr. Ich würde sagen, gerade weil es unheimlich anstrengend ist, ist es auch so erfüllend. Bei uns kam zuerst die Musik. Als wir die Hälfte der Songs geschrieben hatten, haben wir uns Gedanken darüber gemacht aus den Teilen ein Konzept zu machen, weil die Songs alle einen Zusammenhang hatten. Ich habe “The Singularity Is Near” vor ein paar Jahren gelesen und die Band auf das Buch gebracht. Natürlich hatte jeder seine Vorstellung und Erfahrungen mit diesen Theorien und Ideen. Der schwierigste Part war, nicht zu technisch zu werden. Ich meine damit, die Musik und Texte für einen Hörer interessant zu halten, der mit den Dingen nicht ganz so vertraut ist.
Wie lange habt ihr denn gebraucht um das Konzept auszuarbeiten und seid ihr mit dem Gesamtpaket zufrieden oder würdet ihr im nachhinein noch etwas ändern?
Justin: Vom Beginn des Schreibprozesses bis zum erscheinen der US Version des Albums lag gerade einmal ein Jahr. Alles ist für uns sehr organisch und natürlich geschehen. Für mich gab es nur ein Fragezeichen und das war der finale Track der US Version. Das Ende fühlte sich einfach ein bisschen kalt an. Mit der europäischen Version hatten wir die Möglichkeit noch drei Songs zusätzlich aufzunehmen. “Rebirth” wurde speziell als Abschluss von “Dethroned” geschrieben und ich mag die Idee das es Hoffnung gibt.
Wie würdest du euren musikalischen Stil beschreiben. Für mich ist es klassischer Progressive Metal, aber auch thrashig, Modern, episch, Dunkel, melodisch, melancholisch....ich kann es einfach nicht wirklich gut beschreiben!
Justin: Ich muss zugeben, dass ich mir nicht sicher bin, wie man unsere Musik kategorisieren könnte und ich mag es. Man kann die starken Metal Wurzeln natürlich nicht unter den Teppich kehren, aber alles weitere ist wirklich dem Hörer überlassen
Für mich sind Emotionen der größte Teil eurer Musik. Die Welt die ihr beschreibt ist dunkler und kälter (wirklich?), als die heutige Welt. Die Gefühle aber sind tiefer und stärker. Glaubst du, dass die Menschheit sich in härteren Zeiten eher an die Dinge erinnert die sie menschlich machen?
Justin: Unsere Musik hat eine gewisse Eindringlichkeit und die ist für mich sehr wichtig. Wenn du diese Art von Energie mit Alans kraftvollen Lyrics mischt, dann kann das Ergebnis nur pure Power sein.
Ich gebe dir aber recht, manchmal muss man im Leben ganz nach unten kommen um wieder aufzustehen und so ist es einfach, wenn die Zeiten hart werden, dann entdecken viele wieder ihre Menschlichkeit
Auf der europäischen Fassung von “Dethroned” sind drei Bonus Tracks. Sind die Songs mit dem Konzept des Albums verbunden (besonders “Rebirth”)?
Justin: Wie bereits angesprochen hat besonders “Rebirth” eine Verbindung zum Konzept von “Dethroned” und man könnte es als “alternatives Ende” des Albums bezeichnen. “Rafi” ist ein Song, der bereits 2003 geschrieben wurde und die Gitarrenspuren wurden auch schon in der Zeit aufgenommen. Und zu guter Letzt, die akkustische Version von “How Were We Supposed To Know”. Das ist eine Sache, die wir unbedingt auf dem Album haben wollten, denn es ist eigentlich die Version welche als erstes auf dem Album landen wollten.
Nun natürlich die Frage, die unausweichlich scheint. Wie und warum seid ihr auf die Idee gekommen den Eurythmics Hit “Here Comes The Rain Again” auf “Dethroned” zu verwenden?
Justin: Ich liebe es diese Geschichte zu erzählen. Unser Drummer Dave Lescinsky hatte einen verwirrenden Traum in dem er gesehen hat, wie Autumn Hour “Here Comes The Rain Again” Live gespielt haben. Er hat es uns bei den Proben erzählt und jeder war von der Idee angetan. So haben wir es einfach mal ausprobiert und selbst die größten Skeptiker unter uns waren begeistert wie gut es funktioniert.
Kann man AutumnHour als Band bezeichnen, oder ist es doch eher ein Projekt?
Justin: Autumn Hour ist eine richtige Band. Wir planen bereits unser nächstes Album und die Möglichkeit im Sommer bei einigen Festivals in Europa aufzutreten, wenn wir die Möglichkeit dazu bekommen.
Wird auf eurem zweiten Album wieder ein Konzept im Vordergrund stehen? Oder doch lieber eine Tour?
Justin: Wir haben schon darüber diskutiert, ob wir unser nächstes Album wieder um ein großes Konzept bauen. Zur Tour kann ich nur sagen, dass es uns nach dem Release in Amerika unglaublich schwer gefallen ist überhaupt an vernünftige Auftritte zu kommen. Es wäre ganz nach unserem Geschmack in Europa zu spielen oder auf einigen der fantastischen Sommer Festivals aufzutreten.
Zu dem Song “Fade Out” habt ihr ein Video aufgenommen, nur wo soll es gesendet werden? Hier in Deutschland gibt es keinerlei Chance ein Musikvideo dieser Art oder dieser Musik im Fernsehen zu sehen.
Justin: Zur Zeit ist es hauptsächlich im Internet unter www.myspace.com/autumnhour oder www.youtube.com/autumnhourofficial zu sehen, aber ich glaube im griechischen Fernsehen ist es bereits gesendet worden.
Ich weiß leider nicht genau wer meine Fragen beantwortet, aber ich muss unbedingt eine Frage stelle. Ist es nicht unheimlich schwer die Erwartungen von Fans zu erfüllen (unsere haben sie mehr als erfüllt, was man daran erkennen kann, dass “Rebirth” immerhin unsere Platte des Montas im Februar 2010 geworden ist)? Sind die Erwartungen vielleicht höher, wenn man bereits mit legendären Bands ebenso legendäre Alben aufgenommen hat? Oder vereinfacht es eher die Lage, weil einfach mehr Leute reinhören?
Alan Tecchio: Ich bin der Meinung, dass, wenn man mit Bands wie Hades, Watchtower, Seven Witches etc gespielt hat, alles einfach einen Fortschritt darstellen muss. Selbst bei Musik die ich mit diesen Bands neu kreiere, wie ich es gerade mit Watchtower mache, muss ich immer weiter versuchen eine bessere Vorstellung abzuliefern als zuvor. Für mich ist singen wie Motorrad fahren oder Hufeisen werfen, man kann es nie perfekt und es ist ein lebenslanger Lernprozess. Man muss immer versuchen besser zu werden. Wenn du jemals mit einem Level den du erreicht hast zufrieden bist, dann hast du in meinen Augen bereits verloren. Als Sänger ist es egal mit welcher Band du Musik herausbringst, die Fans werden immer ein wenig kritischer sein. Wenn die Autumn Hour musikalisch totaler Mist wäre, dann hätte auch eine fantastische Gesangsleistung “Dethroned” davor beschützt in den Reviews völlig zerrissen zu werden. Es sind alle Elemente die das Ganze einen Schritt weiter nach vorne bringt als alles vorherige und bei Autumn Hour sind alle Elemente absolute Spitzenklasse. So gesagt bin ich der festen Meinung, dass wir selbst unsere schärfsten Kritiker sind und niemals ein Album aufnehmen würden, dass unseren Ansprüchen nicht genügt. Unsere eigenen Erwartungen zu erfüllen war eine große Aufgabe und diese haben wir erreicht. Die Songs waren sehr schnell geschrieben und auch die Aufnahmen liefen absolut glatt. Um unsere Vorstellung von leicht, schnell und glatt zu erklären. Es war Leicht, weil wir keinem musikalischen Zwang unterlagen. Bei Hades oder Seven Witches bin ich der Meinung eine sehr kräftige Metalstimme abliefern zu müssen. Bei Autumn Hour ist dies nicht der Fall und ich glaube, dass kann man in jedem Song auf “Dethroned” hören.
Das wäre es auch schon und hier ist dann der Platz für euren berühmten letzten Worte.....des Interviews !!!
Alan: Danke das ihr “Dethroned” zum Album des Monats gemacht habt, das ist einfach absolut fantastisch!
Justin: YES ! Und danke das Du dir unsere Platte angehört hast und für das Interview. Hoffentlich sieht man sich im Sommer....
Und hier dann meine letzten Worte dieses Interviews. Danke für all die Arbeit, die Hingabe und das Ergebnis. Jede gespielte Note beweist, warum “Dethroned” meine Begeisterung entfacht hat und verdient Album des Monats geworden ist!





