20 lange Jahre

Ich hätte vielleicht auch 20 lange Wochen schreiben können. Es könnte ja so ungefähr hinkommen, dass 20 Wochen ins Land gezogen sind, seit mich Utopia aus den Socken gehauen hat bzw. mir meinen Urlaub versüßt hat.
Irgendwann kam es dann zum Interview mit Berni und die Idee das Interview zur Scheibe und dem Jubiläum kurz vor dem Anniversary Konzert ins Netz zu stellen war schnell geboren. Leider hab ich dabei die Eventualitäten nicht mit bedacht, die das Berufsleben manchmal so mit sich bringen und so komme ich erst jetzt zum Ende des Jahres dazu die Gesprächsaufzeichnungen in die Tasten zu prügeln.
Vieles von dem über das ich mir Berni gesprochen habe ist noch aktuell und bei dem Teil der sich um das Konzert drehte, werde ich ein paar Eindrücke zum Konzert einbauen, so dass es auch da noch aktuell ist. Also rein ins Gespräch


Die CD steht in den Läden und ist gechartet. Musikalisch ist sie auf der einen Seite sehr modern geworden, auf der anderen Seite habe ich immer wieder das Gefühl gehabt, dass sich der Kreis zu euren frühen Werken schließt.

Ja (ein sehr langgezogenes Ja – d.Verf.), dass sieht jeder etwas anders, jeder hat da seine eigene Assoziation. Wir gehen gar nicht so an die Sache ran. Wir haben unsere eigene Art von Songwriting und versuchen immer mal wieder neue Sachen einzubauen. Auch neue Möglichkeiten die die Technik so bietet sollen damit eingebracht werden. Dadurch kommt mal so eine Platte raus und mal so eine, am Ende soll es aber immer Axxis bleiben. Wir haben zwischendurch ja mal die Sängerinnen Geschichte gemacht, wodurch wir einen ganz anderen Aspekt der Band mal herausgestellt haben. Das war mal eine interessante Sache, aber jetzt wollten wir mal wieder in eine andere Richtung und etwas in die traditionellere Geschichte gehen. Das aber dann in einem neuen Gewand in einem neuen Sound. Die Technik hat riesige Fortschritte gemacht und das wollten wir natürlich auch ausnutzen. Die Keyboards sind diesmal mehr da. Der Harry hat mehr Arrangements gemacht. Schon dadurch entstehen immer wieder neue und andere Songs.


Grad in Punkto Keyboards hab ihr das gut hinbekommen. Es gibt ja auch solche Produktionen, bei denen das Keyboard ziemlich nervig ist, mit fürchterlich quälenden Soli.

Klar, aber das ist natürlich auch Geschmackssache. Für uns ist das Keyboard ja nicht so wichtig, aber wir haben das Instrument seit „Kingdom oft he Night“ mit am Start. Zu dem Zeitpunkt war Keyboard in der Rock und Metal Musik verpönt. Ich kann mich noch an die Tour mit Black Sabbath erinnern, als Black Sabbath ihren Keyboarder immer hinter der Bühne stehen hatten. Damals war ein Keyboarder auf der Bühne eine ganz schlimme Aktion. Wir haben unseren Keyboarder aber auch da schon auf der Bühne stehen gehabt, was uns damals einige böse Blicke eingebracht hat. Aus der Zeit rührt es aber, dass das Keyboard ein festes Instrument für unsere Musik geworden ist. Wir haben diesmal die Möglichkeit gehabt einiges auszuprobieren und es ist auch kreativ, wenn man nicht alles von der Gitarre aufbaut, sondern von einer anderen Seite an die Sache herangeht. Es gibt dadurch neue Ideen, neue Inspirationen und es ist für uns als Musiker sehr spannend.


Ihr habt ja in regelmäßigen Abständen solche Wechsel in der Musik mit drin. Du hast grad schon die Sache mit dem Frauengesang angesprochen. Es geht dabei ja nicht darum die Musik komplett umzukrempeln, aber so alle zwei bis drei Scheiben gibt es immer mal auffälligere Veränderungen.

Das ist so unsere Taktik geworden, damit es auch für uns interessant bleibt. Es gab mal so eine Phase nach „Big Thrill“ als wir dachten, es geht jetzt immer so weiter und alles ganz toll, aber so kleiner Wechsel tut dann doch mal ganz gut. Dann kamen die Alben „Matters of Survival“ und „Voodoo Vibes“. Bei „Voodoo Vibes“ wurden wir dann auch extremst abgestraft. Damals konnte damit keiner was anfangen, das sieht heute schon wieder ganz anders aus. Leute die die Scheibe heute aus Zufall in die Hände bekommen finden sie wirklich gut, da hat sich das Hörempfinden doch schon gewandelt. Wir haben da mit Drumloops gearbeitet und damit konnte der traditionelle Rockhörer, also unsere Fangemeinde, gar nichts anfangen, aber es gehört zu uns, dass wir immer etwas experimentieren auch wenn wir damit mal auf die Nase fallen kann. Für uns als Musiker macht es die Sache aber interessant.


Vielleicht muss ich mir die „Voodoo Vibes“ doch noch mal besorgen. Das ist eine der wenigen Scheiben von euch, die bei mir nicht im Schrank stehen. Als die Scheibe rauskam, konnte ich mit dem Ding nichts anfangen.

Das war damals bei sehr vielen so. Unser Gitarrist Marco, kennt Axxis ja noch von seinem Vater. „Voodoo Vibes“ war die erste Scheibe von uns die er gehört hat und für ihn ist es unsere beste Scheibe. Das ist schon eine ganz andere Generation, als er die Scheibe gehört hatte kannte er die „Kingdom“ noch nicht, als „Kingdom“ rauskam war er ja noch gar nicht geboren – übertrieben gesagt. Wahrscheinlich wird es bei dir auch so sein, wenn du sie dir heute nochmal anhörst, wirst du sie wahrscheinlich ganz anders hören.


Das kann sein, wobei ich ja zugeben muss, dass ich schon fast ein „Übelsttraditionalist“ bin.

(Über die Aussagen müssen wir beide erst mal lachen) Das ist ja auch gut und das kann man ja auch machen. Wir sind es ja auch. Wir versuchen weiterhin traditionell zu denken und zu bleiben, aber auch schon mal bei der Instrumentierung zu experimentieren wie z.B. diesmal mit dem Keyboard, mit dem Gitarrensound oder diesmal mit Alex Landenburg mit den Drums zu experimentieren. Alex kommt ja nicht vom typischen Hardrock sondern eher vom progressiven. Das ist dann die Herausforderung die Sache zu kombinieren. Da kommen dann interessante Sachen raus, (kurze Pause) aber auch viel Mist, aber den haben wir ja nicht aufgenommen.


Auf „Utopia“ hab ihr euren ersten offiziellen deutschsprachigen Song. Es gab schon einmal einen, aber das war, wenn ich mich recht erinnere ein Bonus Track. Kam der Track damals so gut an, dass ihr diesmal einen offiziellen gemacht habt?

Es liegt natürlich auch daran, dass wir gerne mal etwas Überraschendes machen, etwas mit dem der Hörer nicht rechnet. Wo er vielleicht sogar mal aufschreckt. In erster Linie ist es uns dabei egal, ob diese Überraschung positiv oder negativ ist. Es passiert etwas womit man sich erst mal auseinander setzen muss. Es wäre schlimm, wenn wir ein Album herausbringen würden, dass rechts rein und links raus geht. So gibt es immer etwas worüber man diskutieren oder spekulieren und zur Not auch meckern kann.
Es gab allerdings wirklich viele positive Reaktionen zu dem Bonus Track und oft auch die Frage warum er nicht zur richtigen Scheibe gehört hat. Weiterhin war ich noch vom Prometheus Brain Project so beeindruckt, dass ich das gerne umsetzen wollte. Der Intendant des Landestheater in Memmingen Walter Weyers hat mir im Laufe der Geschichte die deutsche Sprache in der Musik nähergebracht.
Dazu muss man vielleicht noch wissen, dass ich mit meiner ersten Band noch sehr stark im Punkbereich war und da schon deutsche Texte gemacht habe. Das waren damals aber eher so pubertäre Texte. Ich war damals so 16 oder 17 Jahre alt, so dass es alles etwas halbgar war.
Es war für mich eine Erfahrung, als Walter Weyers mir erklärte, dass deutsche Texte durchaus ihren Reitz haben, wenn man sie richtig umsetzt. Es muss nicht gleich so ein Schnulzenzeug werden, wenn man Worte verwendet die eine gewisse Aussagekraft haben. Das können auch Worte sein, die nicht unbedingt im täglichen Sprachgebrauch vorkommen. Diese Erfahrung umzusetzen hat uns ungeheuer viel Spaß gemacht, so dass wir das Ergebnis mit auf die Platte genommen haben und das auch als offiziellen Song.


Du hast schon die entsprechenden deutschen Richtungen angesprochen. Einmal der Punkbereich, den ich auch ganz gerne mal höre, der aber sehr stark geschmacksabhängig und textlich häufig sehr eingeschränkt ist. Dann die Balladen Ecke, die ja auch schnell in die Schnulzenecke abdriftet, das Problem, was bei Doro ja auch öfter auftaucht…

… wobei man sagen muss, das auch die Deutschen Songs von ihr Live richtig gut rüberkommen. Wenn man „Für immer“ beim Konzert hört, ist es immer wieder voll der Renner.
Es liegt aber nicht nur daran, dass es eine Ballade ist.
Ein Album muss ja nicht unbedingt eine Ballade beinhalten, es kommt einfach darauf an, dass es am Ende ein komplettes Album ist, dass heißt, dass man immer wieder Gegengewichte bringen muss. Wir arbeiten da nicht nur Songorientiert. Wenn wir z.B. 10 gute Songs haben die aber alle Tempo 180 haben, lassen wir auch schon mal den einen oder anderen guten Song weg. Deshalb ist auf dem jetzigen Album auch „Crawl“ drauf. Der Song ist so etwas „angeshuffelt“ oder „angeswingt“, dadurch wird das Ganze Dingen „Utopia“ interessant gehalten. Auch „Fathers Eyes“ ist in der Hinsicht sehr wichtig, dass man einfach mal durchpusten kann


Wobei, bei „Fathers Eyes“ schon auffällt, dass er sehr emotional ist.

Ja, ich hab das Pech gehabt, dass mitten in der Produktion, also Ende 2008 mein Vater verstorben ist und ich erst mal total von der Rolle war. Harry stand mir dann sehr zu Seite und meinte ich soll mir keinen Stress machen und einen Song schreiben.
Das war eine sehr gute Idee. Ich habe das schon mal gemacht, bei einem Song namens „Helena“, als ich damals in der Beziehung Stress hatte. Das sind Songs die am Ende sehr emotional waren, wobei das Ergebnis für mich gar nicht das Wichtigste war, sondern vielmehr der Weg dahin. Man kann die ganze Sache dadurch viel besser verarbeiten, weil man sich mit dem Thema beschäftigt. Das ist besser als wenn man sich abends mit einer Flasche Wein vor den Fernseher setzt und dich besäufst.
So hat das Songschreiben noch einen psychologischen Aspekt und ist mein persönlicher Therapeut.


Ich finde schon, dass es bei dem Song raus kommt, dass er sehr emotional ist. Anders als bei anderen Balladen, die halt sehr oberflächlich wirken. Springt hier der Funke über

Das ist so. Der Song ist sehr emotional und es ist so, dass wir den Song auch heute gar nicht live Spielen können, weil ich immer einen Klos im Hals habe. Es ist für mich halt nicht nur ein Song, sondern eine Situation die ich so nicht nochmal machen möchte, aber im Leben wahrscheinlich immer mal wieder durchmachen muss.
Es war schon bei den Aufnahmen ein Akt. Wir mussten immer mal wieder am Text schrauben, dass das Lied überhaupt singbar ist, dann mussten wir immer wieder Pausen einlegen, weil ich einen Kloß im Hals hatte, weil die Stimme einfach zumachte. Das war schon eine wirkliche Herausforderung. Es ist wie bei „Helena“, da hört man auch, wenn man es weiß, heraus, dass ich da ganz schön eine Krise hab


Von meiner Seite war es das zu Platte. Gibt es aus deiner Sicht noch etwas, was wir dringend besprechen müssen

Ja, also mein persönliches Highlight ist der Anniversary Song. Weil ich es total geil fand, dass die Leute sich spontan bereit erklärt haben, als kleines Dankeschön mitzuwirken. Da möchte ich mich natürlich auch auf diesem Weg noch bedanken. Ich hatte schon damit gerechnet stundenlang mit irgendwelchen Managements zu dealen, aber es lief alles sehr problemlos ab. Es war ein Anruf oder eine E-Mail und schon waren die Leute bereit etwas einzusingen. Ich finde der Song hat ein bestimmtes Flair.
Ich glaube, dass man in solchen Situationen merkt, dass es doch noch eine Metal Szene gibt.
Ja, ich würde sogar sagen, dass die Bands wieder mehr zusammenrücken. Vielleicht liegt es daran, dass wir schon ein paar Jahre dabei sind, aber ich finde, die Szene konzentriert sich auf eine Reihe Bands und die rücken immer enger zusammen. Es gibt nicht mehr das Konkurrenzdenken, man kann sich einfach mal auf ein Bierchen zusammen setzen. Das hat man bei dem Song auch bemerkt. Die Künstler kamen und haben einfach etwas mit eingesungen.
Eigentlich macht es mir in den letzten Jahren immer mehr Spaß in der Rock oder Metal Szene herum zu schwirren, weil dieses Family Dingen doch immer ausgeprägter und wichtiger wird.


Ja, da ist es jetzt an der Zeit mal zurückzudenken. Auch mein Blick ging zurück und mir fiel ein, wie ich euch bei Axxis II bei Saturn über die Füße gelaufen bin und meine Scheibe dann mit Unterschriften verziert wurde.

(Bernie muss laut loslachen)


Die zweite Erinnerung war dann das legendäre Festival in Gifhorn … ich weiß nicht ob du dich daran erinnerst?

Oha! Daran kann ich mich noch gut erinnern. War das nicht das Festival wo der Typ mit der Kohle durchgebrannt ist? (So war es. Das Festival mit dem eher unpassenden Namen „Crossing All Over“ war recht groß aufgezogen. Neben Axxis, gab es noch Mr. Big, Extreme, White Lion, Pink Cream 69, Casanova, Sodom und viele andere Bands die sich in der damaligen Szene einen Namen gemacht haben zu sehen. Nur keine Crossover Bands. Das Festival Gelände blieb weitgehend leer und die meisten Bands spielten vor drei oder vier Reihen. Am dritten Tag hat sich der veranstalltwer mit der Kohle aus dem Staub gemacht, so dass keine Band mehr Geld bekommen hat und gerüchteweise für Speiß und Trank spielten. Viele Fans wurden hinterher animiert für die Bands die Kellner im Backstage Bereich zu spielen. Für alle Anwesenden Fans wird dieses Festival in einmaliger Erinnerung bleiben. Für die meisten Bands eher weniger. Anmerkung d. Verf.)


Ja, zu dem Zeitpunkt hat dann meine Schreiberkarriere begonnen. Die dann irgendwann nach dem Studium unterbrochen wurde und jetzt hobbymäßig weitergeführt wird

Oh. Da bist du aber auch schon lange dabei und hast trotzdem was gelernt!


Ja, ich bin jetzt wieder in der Schule.

Ich hab in letzter Zeit ziemlich viel mit Lehrern zu tun. Ich bin ja immer engagiert so im Bereich „Rock gegen Rechts“ und auch lokalpolitisch und da kommen immer wieder die Schulen oder auch andere Leute an und möchten im Studio mal Hörbücher oder sowas machen.
Ich bin überrascht wie engagiert die Lehrer da sind, grade was so den Bereich der Berufsvorbereitung betrifft. Heute arbeite ich viel mit Lehrern zusammen. Früher hab ich Lehrer eigentlich immer gehasst, aber wenn ich sehe wie sehr sich einige um ihre Schüler kümmern. Hut ab!
Im Moment habe ich im Studio auch einen Praktikanten, der sein Berufsorientierungspraktikum macht.


Stimmt schon, der Beruf fordert seine Zeit, so kann man halt nicht mehr die Masse an Interviews machen, aber das muss ja auch nicht sein. Im Vordergrund steht bei mir der Spaß an der Sache.

Es gibt aber auch immer stärkere Veränderungen. Die Zahl der E-Mail Interviews nimmt immer weiter zu und viele Schreiber nehmen sich gar nicht mehr die Zeit für Telefoninterviews.
Ich bekomme immer die Krise wenn ich E-Mail Interviews mache, weil ich im Prinzip dann den Job für die Schreiber mit übernehmen muss.


Ich bevorzuge auf jeden Fall Phoner oder wenn es irgendwie möglich ist persönliche Interviews.

Das sind die Sachen die ich auch vermisse. Ich fand es früher immer sehr geil, wenn es auf Interview Tour ging. Wenn man dann einen Tag im Hotel saß und eine ¾ Stunde mit den einzelnen Journalisten quatschen konntest. Da kam eine ganz andere Atmosphäre auf, als am Telefon oder noch schlimmer wenn man nur eine Mail bekommt. Naja, aber der Musikmarkt bricht mehr und mehr zusammen und da versucht man überall Kosten zu sparen.


Also ich finde, grad bei Mailern ist das Problem, dass man aneinander vorbei schreibt oder etwas falsch auffasst sehr groß

Stimmt, weil der Tonfall ja fehlt und man z.T. die Ironie nicht erkennen kann.


Genau, oder Kritikpunkte die gar nicht böse gemeint waren, werden aus einmal aufgeblasen. Den Plausch, dass wir uns eigentlich auch in einer Kneipe treffen konnten, weil zwischen Bernies und meinem Telefon nicht mehr als 5 km lagen kürze ich jetzt mal ab

Als ich grad deine Vorwahl gesehen habe dachte ich mir:“ Die kennst du doch!“ Ich war letztens bei euch auf dem Stadtfest und da hat eine Vanessa Blablabla den ersten Preis gewonnen, die kommt demnächst zu uns ins Studio. Das war irgend so eine Geschichte mit Antenne Unna und eurem Bürgermeister, die noch was brauchten und da es sich um einen guten Zweck handelte haben wir spontan zugestimmt.
Wart ihr denn auch bei der Eröffnung des FZW dabei, diese Geschichte von der AWO?


Ja, da war ich auch vertreten, allerdings nicht über die Gästeliste, weil der Preis wirklich günstig war und auch noch für einen guten Zweck.

Die haben sich dabei wohl etwas übernommen, aber es war ja auch von der AWO organisiert und da weiß man schon vorher dass es nichts wird. Ist ja auch klar, die sind in solchen Sachen ja auch nicht so firm.


Stimmt, es war auch ein purer Zufall, dass wir etwas von der Veranstaltung mitbekommen haben. Nach dem kleinen Smalltalk wieder zurück zum Interview. Was mir aufgefallen ist, dass du dich über die Jahre von einem normalen Frontman zu einem echten Entertrainer entwickelt hast.

War ich das früher nicht auch schon?


Da müsstest du jetzt mal den Claudio fragen der mir jahrelang in den Ohren hing, dass die Axxis ansagen ja nur auch „Seid ihr gut drauf?“ und „Seid ihr schon eingesungen?“ bestehen. Er hatte da nach dem Festival in Gifhorn eine echte Phobie. Als wir euch dann letztens im Sauerland beim Winternachtstraum gesehen haben war er völlig von den Socken, weil er es so klasse fand.

Ich mach das aber schon sehr lange, aber es muss ja auch immer etwas entstehen. Ich versuche immer Reaktionen aus dem Publikum aufzuschnappen und dann damit zu arbeiten. Es entwickelt sich eigentlich recht spontan, wenn ich versuche in diesem Bereich etwas zu planen geht das voll in die Hose. Wenn dann mal keine Reaktionen aus dem Publikum kommen steht man natürlich da und kann nur seine Show runter spielen. Das kann einem natürlich auch auf einem großen Festival passieren, wo man die Reaktionen gar nicht mitbekommt. Deshalb liebe ich die kleinen Clubs. Wir haben letztens in Dienstlaken gespielt in einem ganz kleinen Laden auf einer ganz kleinen Bühne, das hat richtig Bock gemacht.


Im Anschluss haben wir noch ein wenig über das Anniversary Konzert gesprochen, das leider so lag, dass einige Musiker die auf der CD mitgemacht haben nicht anwesend sein konnten.

Doro spielt am gleichen in Dortmund im FZW, so dass wir uns da dummerweise gegenseitig ins Gehege kommen. Schmier ist auch auf Tour, aber versucht noch etwas zu drehen (was leider nicht geklappt hat – d.Verf.) Zugesagt hat Rolf Stahlhofen (bei seinem Auftritt merkte man richtig die Wiedersehensfreude d. Verf.)


Auch über die Vorplanung gab Bernhard noch einen kurzen Überblick.

Wir wollen es mal nicht wie ein normales Konzert ablaufen lassen. Ich hab da keinen Bock auf viele Vorbands, sondern es soll ein Abend für Axxis werden. Wir werden vielleicht zwischendurch Pausen machen und dann weiterspielen.


Genauso ist es dann auch abgelaufen. Nach einem mitreißenden ersten Teil, gab es eine Unterbrechung vom „Obel“ (den man wenn nicht als Solokünstler dann von „Till und Obel“ kennt oder als Herbert Zimmermann beim Film „Das Wunder von Bern“. Zunächst schien diese Idee allerdings ziemlich in die Hose zu gehen, weil „Der Obel“ ungewohnt hölzern wirkte, vielleicht auch, weil das Publikum nicht wusste wie sie den Comedian nehmen sollte. Aber Obel bekam die Kurve und erntete mit seiner Bon Jovi Coverversion „Das ist Live“ auch noch Applaus. Im zweiten Teil gab es dann einen Akustik Set, der diesmal – entgegen der „normalen Konzerte“ etwas ausgedehnter ausfiel. Die Axxis Jungs haben sich dabei in feinen Zwirn gewandet und Bernie erkannte die Vorteile eines Hutes … der in dem Fall zu seinem Outfit passte.

Der Walter (Pietsch) unser alter Gitarrist wird kommen und auch Kuno (Udo Niemeyer) hat sich angekündigt und auch sonst werden noch einige Gäste auftauchen und mit uns spielen.


Das passierte dann im dritten Teil, bei dem nach einer Pause mit Verlosung durch Harry von „Toto und Harry“ die ganzen Klassiker die Hütte zum kochen brachten. Alles in Allem war es eine Anniversary Show die diesen Titel zu recht trug und die für alle einen unvergessenen Abend bedeutet. Und wann bekommt man schon mal dreieinhalb oder waren es sogar vier Stunden Axxis am Abend geboten. Ob es das Spektakel auch noch auf DVD zu kaufen geben wird stand zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht genau fest.

Wir haben es angedacht, aber es kommt natürlich drauf an, ob sich das realisieren lässt, weil die Kameras etc. ja auch wieder Platz brauchen


Aufgenommen wurde beim Konzert jedoch fleißig und jetzt muss man mal abwarten. Auch an alten Materialien gibt es noch genug, wie die Bilder und Filmausschnitte von alten Auftritten und Backstage Fotographien, sowie einigen privaten Aufnahmen der Musiker während des Auftritts in Bochum bewiesen, so dass man der Konzert DVD ein hübsches Beiwerk aus 20 Jahren Axxis schenken könnte.

Wir haben da noch einiges an altem Material, auch aus dem Tourbus damals mit dem Rolf Stahlhofen. Der Rolf war ja unser Tourmanager bis er dann zu den Söhnen Mannheims ging. Oder auch alte Fotos von damals vor der Zeit bei EMI.
Es gibt da noch richtig schlimme Fotos von uns aus der Latex und Haarsprayzeit.


Stimmt, es war eine ziemlich verrückte Zeit bei der ich auch einiges mitgemacht habe, aber ich denke man sollte dazu stehen und sich nicht einfach nur abwenden.

Stimmt, da war man damals in oder hip, man war der absolut Coole wenn man so aussah. Wenn man seine Eltern schocken wollte, dann hat man sowas gemacht. Das sind die Kiddis heute gar nicht mehr gewöhnt. Die wollen ihre Eltern ja gar nicht mehr schocken.
Ich hab mir damals Kiss in erster Linie geholt, weil ich meine Eltern mit den Fratzen die überall in meinem Zimmer hingen schocken wollte. Es ging mir gar nicht so sehr um die Musik, sondernin erster Linie darum, dass ich etwas mache was die total Scheiße fanden. So bin ich dann auch zur Rock Musik gekommen. Die Energie, die Aggressivität die darin steckte. Es war eben nicht Schlager … Ich fand es total geil. Damals waren Schlaghosen und Klotschen in. Das war in den 80`ern dann total out und nicht mehr angesagt und mit Nirvana und Co waren kaputte Hosen plötzlich wieder voll im Trend.
Es ist einfach ein Kommen und Gehen. Auch heute kommen wieder neue Bands, wo die Kiddies denken es ist etwas ganz Neues. Unsere Generation denkt dann nur, mein Gott, das haben wir doch alles schon mal gehabt.


Als letztens in der Zeitung stand, dass jetzt der 90`er Style wieder kommt, dachte ich mir auch nur, ob wir nun schon so arm geworden sind, dass wir uns nur noch durch die Jahrzehnte Switchen. Nach 50er, 60er, 70er, 80er kommen jetzt das 90er Revival und dann fangen wir wieder von vorne an.

Stimmt, das sieht man auch im Fernsehen, es kommen immer wieder die alten Serien, die man schon aus den 80´ern kennt. Da kommt die Hitparade wieder, dann die 80´er Show, dann die besten Hits, Balladen, Rock Songs usw. Man lutscht wirklich die Vergangenheit aus, vielleicht auch, weil da noch was los war.
Wenn man überlegt, was es in der Jugendkultur für Gruppen gab Rocker, Punker, Popper und die haben ja z.T. auch ganz schön gegeneinander gearbeitet. Es gab aber eine Sache, die sie vereint hat. Sie wollten gegen das Establishment und die ältere Generation Revolution spielen. Heute kommen die Kinder schon mit Aktentasche und Anzug in die Schule, da ist keine Revolution mehr.


Schauen wir noch kurz in die Zukunft. Gibt es nach der Anniversary Show noch eine zusammenhängende Tour?

Ja, das wird dann 2010 stattfinden. Bis dahin sind wir erst mal so in die Jubiläumsgeschichte eingespannt. Dafür haben wir ein paar Gigs in Spanien nach hinten verschoben. Im ersten Quartal des Jahres werden wir dann die richtige Tour machen.
Klar ist es schöner, wenn man mit dem Schwung der neuen Scheibe auf Tour geht, aber das ging diesmal halt nicht.
Wir suchen grade noch nach einem zweiten Headliner, weil ich doch gerne wieder so eine Double Package Sache machen möchte. Es ist für die Fans gut, die für den Preis zwei Bands bekommen und für die Bands lohnt es sich auch.


Ist das eine Sache die sich hauptsächlich mit deutschen Bands realisieren lässt?

In Deutschland ist es mit deutschen Bands so und im Ausland dann eben mit den jeweiligen Bands. Es gibt viele Sachen die dabei zu organisieren sind und da ist die räumliche Nähe schon ganz wichtig. Das ist der Hauptgrund dafür, dass es so häufig Bands aus einem Stall und meist auch mit räumlicher Nähe sind


Es ist aber doch komisch, dass solche ausländischen Packs nicht in Deutschland weitertouren? Also so zwei oder drei Amibands, die sich den deutschen Markt vorknöpfen.

Ach so meinst du das. Ich glaub die Amis meinen immer noch, dass man hier mit Touren Geld verdienen kann, aber in den meisten Fällen ist so eine Tour ein Drauf-Zahl- Geschäft.
Für uns macht es mehr Sinn, weil man einfach mehr Leute zieht, die Halle ist gefüllter. Du hast eine gute Schnittmenge und die Zuschauer haben einen schönen Abend, alles das spricht für so eine Veranstaltung und man muss heute die Konkurrenz der Festivals sehen. Die Festivals sprießen wie Pilze aus dem Boden, da muss man schon irgendwie gegenhalten


Und damit haben wir dann auch wirklich alle Themen zu Axxis, „Utopia“ und dem Jubiläum abgegrast. Ich freue mich auf jeden Fall schon wieder auf die nächsten Axxis Gigs, weil es halt immer wieder ein Erlebnis ist.




Datum: 13.01.2010 - Autor: Frank




TOP-NEWS
Interview: Vanden Plas


RANDOM REVIEWS