Landeier schlagen zurück

Auch wenn wir bei Sleaze-Metal teilweise recht verschiedene Ansichten und Geschmäcker haben, was Musik und Bands angeht (aber gerade diese Mischung macht es aus), tauchen immer wieder Bands auf, wo sich Vince und ich einig sind. Das ist jetzt bei den Schweizern Polution geschehen, als ich die Review von Vince las konnte ich diese vollkommen unterschreiben. Da mit „Overheated“ auch super gefallen hatte, machte ich mich dran ein Interview mit einem der Schweizer zu bekommen.
Gitarrist Marcel rief mich dann vor kurzem an und wir stellen seine Band Polution in diesem Gespräch ein wenig ausführlicher vor.
Marcel, nachdem wir jetzt das Vorgeplänkel ein wenig geklärt haben, erzähle doch mal wie ihr bei Escape Music gelandet seid? Ihr spielt schon ein recht hartes Brett und da sind doch eher die AOR-Gruppen zuhause.
Das war so, der Oliver Marquis –der war früher der Manager von Cororner, und er ist momentan der Manager von Shakra, hat uns unseren Produzenten Tommy Vetterli (auch Ex-Coroner) kennen gelernt. Es wurden einfach mal so ca. 30 Label angeschrieben und der Chef von Escape Music hat sich dann sofort bei uns persönlich gemeldet. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden und waren sehr überrascht.
Da ist der Kahli Turk ja für bekannt dass er mal selber die Initiative ergreift wenn ihm etwas gefällt.
Genau ja. Die haben ja auch die Lovechild aus Lichtenstein vor 2 Jahren sofort genommen, die machen ja einen ähnlichen Sound wie wir.
Ich habe es mir erst gedacht dass es durch den Produzenten Tommy Vetterli gekommen ist. Wundert mich schon dass er so einiges an Hardrock-Sachen produziert. Er selber hat ja mit Coroner ein ganz anderes Brett gefahren.
Mittlerweile macht er fast alles, was so mit Gitarren und Schlagzeug zu tun hat. Auch so härtere Pop-Musik
Machen wir mal weiter mit Polution. Wieso schreibt ihr euch nur mit einem "L"?
Das stammt noch aus einer Zeit, so um 1997, als die Band gegründet wurde. Da war ich selber noch nicht mit dabei, die haben halt einen Namen gesucht der gut klingt. Dann kamen sie halt auf Polution und da hatte halt noch keiner eine große Ahnung vom Englisch, es wurde halt einfach so „falsch“ geschrieben. Von der Bedeutung her ist es das Selbe, es sieht dann halt nur anders aus.
Fällt zumindest auf. Auf dem Cover ist in der Mitte so ein S, was hat das zu bedeuten?
Wenn du dir mal unsere Logo anschaust wirst du sehen, das es die Hacken sind von dem Schriftzug. Das sind die beiden Spitzen von Vorne und Hinten zusammengefasst. Ja, es kann schon für ein S gehalten werden. Es ist eine gute Idee von unserem Logodesigner.
Hattet ihr viel Einfluss auf die Gestaltung von Cover und Booklet?
Schon recht viel, der Designer kam aus Belgien und der hatte auch schon Recht viel vorher gemacht, unter anderem auch für Helloween und Gamma Ray Sachen gemacht. Zuerst hatte er allein mit dem Label gearbeitet und als er dann hörte dass wir aus Schweiz kommen, hatte er den Einfall mit den Bergen. Er hat sich auch auf unsere Wünsche und Vorstellungen eingelassen.
Die Berge in der Mitte habe ich auch sofort mit euerer Herkunft aus der Schweiz in Verbindung gebracht.
Genau, auch im Inlay der CD, wenn man sie aus der fertigen Hülle raus nimmt, sieht man wieder so fünf Spitzen, die sollen uns als Band repräsentieren. Wenn man das Booklet mal richtig und in Ruhe anschaut wird man auch noch mehr solcher versteckter Hinweise finden.
Alles mit und auf uns abgestimmt. Es wird sich dann auch auf dem Merchandise fortsetzen.
Ich kann sagen wir haben da mit dem Label und auch unserem Produzenten echt großes Glück gehabt. Alles lief bisher super und fair ab.
Auf dem Backcover wurde bei dem Titel „Same Shit, Different Day“ das Wörtchen „Shit“ sozusagen zensiert. Ist das auch ein optischer Gag? Worum geht es in dem Song? Habt ihr irgendwelche Texte die ein wenig aus dem Rahmen fallen?
Das Label wollte es so, es ist halt die englische Art. Es geht um den Song einfach um so richtige Scheißtage, voller Langeweile halt.
Es gibt da noch einen Song auf dem Album der dreht sich um unseren Heimatort, wir kommen alle aus einem kleinen Berg-Tal in der Schweiz. So richtig mit Bauern und allem, wir werden oft von den Städtern belächelt, so wie aus Zürich. Unser Ort ist in der Schweiz sehr bekannt, weil da einige Prominente Personen herkommen, wir werden aber doch oft als Hinterwäldler und rückständig belächelt. In „Reality“ geht es halt darum wie es so ist in diesem Ort aufzuwachsen.
Das bringt mich zu dem Bandkontest vor 2 Jahren. Der war in Zürich?
Es gab Vorausscheidungen in der ganzen Schweiz. Wir haben 2 X in Luzern gespielt und da auch beide Male gewonnen, da waren jedes Mal so an die 30 Bands. Das Finale war dann in Zürich. Wir haben dann dort den dritten Platz gemacht. Gewonnen hatte eine Schweizer Alternative Band, den 2ten haben eine sehr bekannte Beatbox-Gruppe aus Österreich gemacht. Rein von den Schweizern haben wir den 2ten Platz gemacht.
Es soll ja gemunkelt worden sein, das ihr auch locker gewonnen hättet, wenn ihr aus Zürich stammen würdet? Was geht da ab in Zürich, alles sehr Lokalpatriotisch dort?
Ja, haha. Die Gewinner waren auch aus Zürich. Das hat wohl damit was zu tun das sie die Lokalhelden sind, rein von der Musik her war das eher nicht so die Supersache.
Es gibt da wohl einige „Differenzen“ zwischen den Städtern und den „Landeiern“ hehe. Das merkt man auch immer an der Politik und so.
Habt ihr denn schon Feedback zu „Overheated“ bekommen und seid ihr soweit zufrieden?
Wenn man bei Google unsere Scheibe sucht, dann kommen schon recht viele Internet-Magazine, wie auch Sleaze-Metal, die alle gut geworden sind.
Auch im nächsten Rockhard wird unser Review drin sein und da haben wir sehr gute 8 Punkte bekommen. Das war schon echt überraschend, ich denke mal gerade weil wir nicht wie eine typische Schweizer Band klingen, wo man Gotthard oder Krokus überall raushört.
Die CD knallt ja auch richtig. Ich muss mich ja auch bei Polution bedanken, weil ihr nicht diese typische AC/DC-Krokus-Ding macht. Ich kann es ehrlich gesagt so nicht mehr hören.
So große Fans von denen sind wir auch nicht gerade. Für so ein kleines Land haben wir schon eine recht große Szene, auch mit Shakra und Crystal Ball sind da noch super Bands.
Viele Bands sind bei euch gut dabei, die kommen aber im Ausland und auch speziell hier in Deutschland nicht so recht voran. Von Gotthard mal abgesehen.
Es gibt sehr wenige in unserer Rockmusikszene welche wie Krokus und Gotthard ganz nach oben kommen. Viele haben einen gewissen Status, aber das war es dann auch schon. So richtig international hoch kommt da kaum noch einer. Es liegt aber auch an dem recht kleinen Markt den wir in der Schweiz haben.
Was erwartest du jetzt von der CD? Auch was Verkäufe oder so angeht.
Erwartungen hat man schon, aber wir erhoffen uns eigentlich mehr Auftritte dadurch. Das wir auch mal an größere Sachen herankommen. Das der Name Polution bekannt gemacht wird, das ist uns auch noch sehr wichtig.
Natürlich wäre es schön wenn „Overheated“ sich gut verkaufen würde. Wenn wir dadurch das nächste Album sicher machen könnten wäre das toll. Neue Songs haben wir schon wieder und so könnten wir nächstes oder übernächstes Jahr wieder ins Studio gehen. Aber da müssen wir erst mal abwarten. Zurzeit ist unsere finanzielle Situation natürlich ein wenig angespannt.
Das war jetzt eure allererste Produktion für euch? Keine Demos vorher gemacht?
Das war das erste Mal im Studio für alle. Demos gab es vorher überhaupt nicht. Wir haben zwar mal im Proberaum Demo-Kassetten aufgenommen. So 3-4 Songs aber die klangen letztendlich alle Scheiße.
Da habt ihr aber schon Recht lange gebraucht, wenn man bedenkt das Polution schon 1997 gegründet wurden.
Ja, aber damals 1997 war es eine reine Coverband. Ich kam 2002 dazu und ab dann ging es erst mit Eigenkompositionen los. Ich mache schon etwas länger Musik und hatte schon vorher meine eigene kleine Band, aber nichts spezielles, wo wir schon immer eigene Songs gemacht haben. Da konnte ich natürlich meine Ideen eingebracht. Es hat mit Polution dann noch etwas gedauert und seit 2005 ist die Band und der Sound so wie er auf dem Album ist.
Die eigenen Songs machen auch viel mehr Spaß. Immer nur Coverstücke wird auf die Dauer langweilig.
Wenn ihr jetzt auftretet baut ihr noch Coversongs ein?
Das machen wir immer noch, weil wir halt zu wenig eigene Sachen haben. Wir haben manchmal so Konzerte von 3 Stunden Dauer und da ist es mit den eigenen Songs doch noch etwas zu wenig. So die Norm bei uns sind 1 ½ bis 2 Stunden bei einem Konzert, dann ist die hälfte eigene Lieder und der Rest Coversongs.
So lange spielt ihr? Geil, das kriegen viele aber nicht hin. Da kann man glücklich sein wenn es über die 60 Minuten Marke geht. Ich habe noch eine kleine Wordassociation für dich, ich knalle dir jetzt mal ein paar Begriffe an den Kopf und du gibst einen Spontanen Kommentar.
EM 2008 – Kein großes Interesse
Schweiz- Heimat
Sex- ähm…je öfter desto besser
Hass- Material für neue Songs
Alkohol/Drogen- Alkohol-Ja, Drogen-Nein
Castingshows- Find ich Scheiße
Was steht bei euch jetzt in naher Zukunft an? Schon irgendwelche Konzerte oder Tourneen gebucht?
Momentan ist da etwas im Gange. Wir können da was mit den reformierten China können wir hier mal auftreten. Eventuell können wir im nächsten Jahr dann wohl eine kleine Europa-Tournee machen. Da könnte was gehen mit Shakra, aber die haben aktuell noch ein paar Probleme, deswegen ist es noch relativ offen.
Marcel, ich danke dir für deine Zeit und das Interview. Hast du noch ein paar abschließende Worte?
Wir würden uns natürlich freuen wenn die CD von den Fans gekauft würde. Wäre cool wenn wir mal in Deutschland mal ein paar Gigs spielen könnten.





