Comeback mit Herzblut

Als die Promos des neuen Headhunter-Albums hier eintrafen, ging ich nicht unbedingt mit Enthusiasmus an die Scheibe heran, denn der große Headhunter-Fan war ich nie.
Doch kaum hatte die erste Runde mit ”Parasites of Society”
überstanden, war mir klar das wir hier ein schweinegeiles Heavy Metal-Album am Start haben.
Als die Interview-Termine mit Bandleader Schmier bekannt gegeben wurden, habe ich sofort laut: Hier- Geschrieen und so bimmelte die Szeneikone dann auch zum vereinbarten Termin durch. Neben dem Comeback-Album drehte sich unser Gespräch auch um diverse Coversongs , die Headhunter auf der neuen Scheibe verbraten haben und das brachte uns auch zum Thema Toleranz in der Szene gegenüber anderen Stilen. Lest selber was Schmier dazu zu sagen hatte.
Hi Schmier, danke für deinen Anruf. Schon gut im Stress mit Interviews?
Ich habe zwar heute recht schlecht geschlafen, doch bis jetzt bin ich noch fit. Das wird noch im Laufe des Tages stressiger denke ich.
Dann hast ja noch ein wenig Energie haha. Wie oft musstest du dir schon die Frage anhören: Warum und wieso eine Headhunter-Reunion?
Das ist natürlich meist die erste oder zweite Frage welche kommt. Ist natürlich logisch und liegt in der Natur des Menschen, dass man alles hinterfragen möchte oder einfach was schlecht redet.
Es war einfach das ich Bock drauf hatte und mir hat es tierisch Spaß gemacht wieder an Headhunter-Sachen zu arbeiten. Natürlich haben auch enorm viele Fans nach der Band gefragt. Heute ist das Wort Reunion ja fast schon ein Schimpfwort geworden. Doch eigentlich haben sich Headhunter ja nie wirklich aufgelöst, sondern lagen sozusagen auf Eis. Ich habe einfach Bock drauf gehabt und es ist für mich eine enorme Abwechslung zu meinem Hauptberuf bei Destruction. Ich finde es ist doch eine geile Scheibe geworden.
Das ist sie in der Tat, ich muss sagen mir gefällt „Parasite of Society“ bisher am Besten von allen Headhunter-Platten.
Das hat der Götz Kühnemund auch gesagt und das freut mich. Es machte einfach Spaß die Platte einfach mal so rau zu knallen. Die Leute hatten alle viel zu tun, die an der Platte beteiligt waren und da war es gar nicht so einfach die mal eben fertig zu machen.
Es war dir auch wichtig dass der Schmuddel und der Jörg Michael wieder mit dabei sind.
Ja sicher, sonst hätte man es auch nicht Headhunter nennen können. Wenn wir so was machen dann muss es auf jeden Fall authentisch sein. Ich war auch sehr überrascht wie schnell die Jungs dabei waren. Wir haben ja in der ganzen Zeit noch Kontakt gehabt. Dadurch das die anderen beiden relativ schnell zugesagt haben auch zügig die Songs fertig bekommen.
Kann man sagen, dass die Re-Release der alten Headhunter-Scheiben vor einiger Zeit, sozusagen die Vorboten des Comebacks waren?
Die waren schon die ersten Entwicklungen in diese Richtung, weil ich mich ja richtig damit beschäftigen musste, den Sound remastern und so. Da habe ich schon gesagt: Mann, Ay, alles richtig geile Songs gewesen. Mit dem remasterten Sound knallte das alles noch mehr, gerade die letzte Scheibe „Rebirth“ lebte noch mal richtig auf. Gerade weil die ja schon recht alt ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon ein paar Songs, welche nicht unbedingt zu Destruction passen. Damals habe ich schon den „Silverskull“-Song für einen Kumpel von mir geschrieben. Das „Silverskull“ ist sein Tattooshop, das war so der allererste Headhunter-Song für die neue Scheibe. Danach habe ich dann die anderen Jungs angerufen und gefragt: Wie schaut es aus? Wollen wir da noch was machen?
Ihr hattet also keine Anlaufschwierigkeiten da noch 13 Jahren an das Arbeiten an zu knüpfen?
Ne, wenn es da so was wie Anlaufschwierigkeiten gegeben hätte, dann hätte ich es mir noch mal mit Headhunter überlegt. Wir haben ja erst mal die Songs fertig gemacht und dann mit einer Plattenfirma geredet. Wir haben die fertigen Stücke in der Hinterhand gehabt und dann geschaut. Die Angebote mal wieder was mit Headhunter zu machen gab es ja schon seit einigen Jahren. Die Zeit war eben nicht da und auch nicht reif dafür. Jetzt gab es eben die Zeit und auch Jörg hat eben durch den Split von Stratovarious etwas Zeit. So hat sich alles formiert.
Hat sich jetzt an euerer Arbeitsweise was geändert? Mir ist aufgefallen, dass du richtig versuchst zu singen. Das gab es ja früher nicht so der Fall, bei Destruction kommt das auch nicht so vor.
Eher weniger, passt da auch nicht so rein. Es war ganz klar dass die Headhunter-Geschichte sich von Destruction unterscheiden soll. Wir wollten da weiter machen wo wir früher aufgehört haben. Es hat sich alles so ergeben.
Die Vocals klingen heute natürlich reifer als wie früher. Mein Gesang klingt ja bei Destruction auch anders als wie damals. Weil man eben als Sänger reifer und auch besser wird, davon hat eben Headhunter sehr profitiert. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht ein wenig anders zu singen wie eben bei Destruction. Es war eine Herausforderung, die mir aber auch nicht sehr schwer gefallen ist. Das ist eben in mir drin, ich bin Metal-Fan und meine Stimme hat neben dem Schreien auch noch ein paar andere Facetten. Bei Destruction passt eben so ein Gesang nicht rein. Ich sehe mich auch nicht als Supersänger, ich bin schon ein Schreihals.
Das passt schon gut. Selbst meine Frau, die mit Destruction nicht so warm wird, war sehr begeistert von den neuen Liedern.
Echt? Das hört man ja gerne. Wenn die Frauen das sagen, das ist schon wichtig haha.
Gerade bei der Skid Row-Coverversion war ja schon ein gewisses Risiko dabei. Weil das so eine Art Stilbruch beinhaltet. Da waren dann aber viele Mädels bei, welche gesagt haben dass die Coverversion geil geworden ist. Die Jungs sagen dann halt: Naja, Skid Row und so.
Mit Destrution hätte ich die auch nicht machen können. Bei Headhunter passt es besser. Ich halte mich eh nie an irgendwelche Vorschriften.
Ich war sehr verwundert als ich hörte dass ihr Skid Row covert, war aber auch sehr neugierig wie es klingt. Weil das Lied „18&life“ ja mehr oder weniger eine Halbballade ist. Gefällt mir sehr gut das Lied in der Headhunter-Fassung.
Das Risiko bei so einem melodischen Song ist ja immer da. Ich würde den Song auch nie so hinbekommen wie der Bach ihn gesungen hatte. Aber ich finde den Song halt so geil, weil er Teil meiner Jugend war. So eine richtige Partyhymne, welche mich irgendwie noch bis heute verfolgt. Es hat eben niemand mit gerechnet und auch kontrovers ist, hat es doppelt so viel Spaß gemacht an dem Song zu arbeiten. Ich finde es ist gut geworden. So ein bisschen als Bestätigung für uns selber.
Die Judas Priest-Coverversion „Rapid Fire“ war ja mehr oder weniger als Bonustrack für Japan gedacht. Der kam jetzt nur mit auf die Platte, weil AFM den als Bonustrack für Europa haben wollten. Der Song ist halt geil geworden, also warum nicht. Jetzt haben wir halt 2 Coversongs auf dem Album. Die Priest-Coverversion ist ja kein Wagnis, den mochten wir alle und fertig.
Die Skid Row-Sache ist halt was anderes. Ich habe vorhin mit jemanden aus Griechenland telefoniert und der meinte, dort wird schon heiß diskutiert: Darf der Schmier Skid Row covern und so.
Die sind da eher so die Hardliner..
Ja, die Griechen sind schon sehr verbitterte Old-Schooler haha. Ist ja auch in Ordnung und geil so. Ich bin aber letztendlich ein Verfechter der Offenheit im Metal. Ich wollte mit dem Lied eben den arg Engstirnigen ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich bin halt Metal-Fan und warum soll ich nicht auch so einen Song geil finden. Das ist mein persönlicher Geschmack. Das so was mit Destruction nicht möglich ist, dürfte ja wohl klar sein.
Mal abwarten, bei dem Skid Row-Song ist es halt 50/50, ob der nun auf Begeisterung stößt oder eher Stirnrunzeln hervorruft.
Bist du jemand der auf Hair-Metal steht? Bzw. solche Scheiben zuhause hat?
Also ich habe mir damals die erste Mötley Crüe gekauft, weil eben „Live Wire“ ein phänomenaler Song ist. Denn hatten wir auch noch im Visier gehabt zu covern, aber letztendlich haben wir uns ja für Skid Row entschieden.
Also ich bin kein Hair-Metal-Fan in eigentlichen Sinne gewesen, ich fand Skid Row immer sehr geil, Guns’n Roses waren auch toll. Ich fand vor allem die erste Mötley Crüe geil, dann noch die „Shout at the Devil“, aber diese Warrants und wie die alle heißen, waren nicht mein Ding. Dafür war ich zu sehr Thrasher damals. Aber die ersten Bands waren eben geiler, härter und ideenreicher damals als der Rest. Das kommt ja auch irgendwann mal wieder zurück. Ebenso wie man heute auch Oldies hört, welche man damals verschwult hatte, das sind jetzt so Erinnerungen an die Jugend.
Es gab ja noch eine Coverversion, welche ihr gemacht habt. Wo ist die denn geblieben?
Welche meiste du?
Dieses „Manamana“ aus der Sesamstrasse? Im Metal-Hammer soll da irgendwas von gestanden haben?
Ach, das ist doch eigentlich noch eine recht geheime Sache. Das steht im Hammer im Interview. Ja, das wird der „Hiddentrack“ der Scheibe, eben dieser Sesamstraßen-Song. Den haben wir auch gemacht und wussten nicht ob wir den mit auf die Platte packen sollten. Dann haben wir uns entschieden den als Hidden-Track mit aufs Album zu nehmen. Der wurde auf der Promo extra weggelassen, damit die Schreiber nicht schon vorher alles wissen und ablästern können. Wir sind aber für Scherze zu haben. Ich finde es ist cool geworden, wir überlegen noch ob wir nicht einen Videoclip dazu machen.
Auch bei diesem Song ging es mir darum die Leute ein wenig aus der Reserve zu locken. Diese ganzen argen Metal-Leute, welche zum lachen in den Keller gehen, die werden das sicher nicht verstehen. Aber der „Manamana“ –Song ist doch ein echter Kultsong.
Als ich das letztes Jahr auf dem Bang Your Head war, haben mich irgendwelche Besoffenen morgens um Fünf wach gehalten, indem sie die ganze Zeit diesen „Scheiß“-Song gesungen haben. Da bin ich das erste Mal drauf gekommen den Song mal irgendwie zu covern. Weil der ja eben so scheißens-blöde ist, eben Kult und die Metal-Fans finden ihn ja wohl doch auch cool.
Komisch wenn die Leute besoffen sind, dann singen sie es und steht das Stück mal auf einer CD gucken sie dumm. Ich bin ja für solche Coverstücke zu haben.
Da hat halt der Alkohol halt seinen Beitrag gezollt. Das ist doch wichtig, weil es irgendwie ein Art Tabubruch darstellt im Metal. Mit Headhunter passt es auch irgendwie. Obwohl wir es mit den Covern nicht zu sehr übertreiben, weil Songs und Cover irgendwie im Konzept stehen. Mitten drin hätte es nicht gepasst, aber so als Bonustrack sicher. Weist die Scheibe ist vorbei und hat geknallt, dann kommt dieser lustige Song am Ende noch hinterher.
Diese arge Engstirnigkeit in der Metalszene nervt die dich?
Natürlich nervt die mich. Auf der anderen Seite gehört die mit dazu, wenn wir nicht so Engstirnig wären, dann wären wir längst vom Mainstream geschluckt worden.
Einerseits mag ich diese Engstirnigkeit, auf der anderen Seite ist sie halt ab und zu sehr bescheuert, weil die Leute nicht über ihren eigenen Schatten gucken wollen.
Natürlich bin ich Fan von den Klischees im Metal, die haben mich als Kind geprägt und da bestehe ich schon drauf, dass die beteiligt werden.
Was war das mit dem Konzept des Albums? Du hast da gerade etwas angesprochen. Da gibt es keine Durchgehende Story in den Songs?
Konzept irgendwie ja, Durchgehende Story in den Texten nicht. Einfach halt um die allgemeine Welt und die ganzen Verschwörungstheorien die halt herumkursieren. Es geht um die ganzen großen Parasiten welche in den hohen Stellen sitzen. Das was da Cover halt auch anspricht, das halt schon die Kinder und die leicht beeinflussbaren Leute, in schlechter Weise beeinflussen. Das drückt eben das Cover aus. Dazu noch die Verbindung mit dem Headhunter-Konzept, wo die Schrumpfköpfe wieder auftauchen.
Wer hat dieses Mal das Cover gemacht?
Das war ein ungarischer Künstler namens Gyula Havancsak, der schon recht viele Cover gemacht hatte in letzter Zeit. Der hat ne Webseite, die kann ich dir mal geben, warte…, für Annihilator hat der auch schon Cover gemacht. Er ist absoluter Metal-Fan und ist mit Herzblut dabei, es hat Spaß gemacht mit ihm zu arbeiten. Seine Webseite ist www.hjules.com. Grave Digger hat er auch schon gemacht. Er macht Cover nebenbei, ist hauptberuflich Computerprogrammierer. Der wird das neue Cover für die nächste Destruction machen.
Findest du es Schade, das die Cover bei den CDs nicht mehr so zur Geltung kommen wie seinerzeit beim Vinyl? Da gehen bei der Größe doch viele Details verloren.
Ja, wir machen auch wieder bei Headhunter Vinyl. Ich habe gerade bei AFM im Office das Poster vom Cover im Din-A2 Format gesehen und das ist geil.
Bei der CD finde ich es schon Schade, wie es sich entwickelt hat. Aber wer Vinyl haben will kriegt bei uns Vinyl zu kaufen. Auch wenn es nur eine limitierte Auflage ist.
Die Schrumpfköpfe mussten aber wieder mit auf das neue Cover, oder? Schlägt dann ja irgendwie den Bogen zu „Parody of Life“.
Auf jeden Fall. Wir haben sogar überlegt ob wir nicht noch mehr auf das Schrumpfkopfthema eingehen sollen. Aber dann haben eben das Konzept von dem Cover und haben sie mit eingebaut. Wir wollten auch wieder an das Bild des Debüts anschließen, das passt doch auch gut zum Namen.
Wie wird es bei Headhunter Konzertmässig und Tourtechnisch abgehen?
Wir spielen jetzt erst mal nur in Wacken, das ist unsere Hauptintension ein großes Festival zu spielen. Da ist Wacken für mich als Metal-Fan Weihnachen und Geburtstag zusammen. Dann schauen wir mal was kommt.
Es steht ja jetzt 25 Jahre Destruction an und da haben wir einiges vor und da muss Headhunter erst mal ein wenig hinten ansteht. Wir haben mit Headhunter ja auch schon gespielt, aber Destruction ist eben meine Hauptband. Mal sehen, vielleicht später mal eine Tour fahren. Headhunter kommen gerade erst wieder zurück in die Szene und wir müssen schauen wie es ankommt. Wenn es keiner hören will, dann macht auch eine Tournee keinen Sinn.
Jörg hat jetzt, durch den Stratovarious-Split mehr Zeit, was Headhunter entgegen kommt. Doch man kann nichts erzwingen. Ich denke nach Wacken wird sich einiges zeigen. Wenn wir dort ankommen wird es entweder Angebote hageln oder auch nicht. Werden wir dann sehen.
Es erinnert mich jetzt sehr an die Destruction Auferstehung vor einigen Jahren, da habe ich euch auch in Wacken gesehen und dann ging es weiter.
Erst Bang Your Head und dann Wacken, danach ging es weiter. Deswegen wollte ich auch mit Headhunter erst Mal Wacken spielen und dann schauen, das ist auf jeden Fall ein guter Start. Da erreichst du viele Fans und das ist das Non-Plus-Ultra für den Metal-Fan. Es ist eine Ehre für mich mit Headhunter dort zu spielen und der Rest wird sich zeigen.
Wir müssen nicht auf Teufel komm raus wie 19jährige auf Konzerte drängen, wir werden sicher noch mehr Konzerte geben, aber alles unter Dach und Fach.
Gut, einerseits würden sich möglicherweise mehr Fans an Headhunter erinnern wenn ihr touren würdet?
Natürlich, aber es ist halt so das ich mit Destruction diese und nächste Jahr sehr viel vorhaben werde. Da ist es sehr schwierig alles unter einem Hut zu bringen. Auch wenn ich in den letzten Monaten noch so viel Herzblut in Headhunter gesteckt habe, es wäre nicht sinnvoll Destruction jetzt wegen so was zu vernachlässigen.
Es wird aber sicher Momente geben wo ich Zeit haben werde und da kommt dann sicher etwas mit Headhunter. Wir haben jetzt für Headhunter gesagt: Shows ja, aber kein Stress. So haben wir das von Anfang an besprochen. Headhunter hatte schon immer den Fun-Projekt-Charakter, uns alle musikalisch an den Roots zu orientieren, da muss man auch nicht unbedingt alles zu Tode promoten. Es geht da alles lockerer an.
Du geht’s auch jetzt bald wieder mit Destruction ins Studio habe ich gehört.
In 2 Wochen fliegen wir nach Dänemark und starten da die neue Destruction-Produktion. War alles nicht so stressig geplant, hat sich jetzt aber so ergeben.
Ist jetzt alles sehr dicht aneinander gerückt, was ich persönlich nicht so geil finde. Auf der anderen Seite kann ich jetzt die Euphorie über die neue Headhutner-Scheibe mit bei der Destruction-Produktion gut gebrauchen. Da gehe ich natürlich Top motiviert ins Studio und versuche mit Destruction eine ähnlich geile Scheibe zu machen.
Wäre jetzt auch blöde jetzt Destruction auf Eis zu legen. Die Band hat sich ja in den letzten Jahren so gut etabliert, ich würde sogar meinen ihr steht besser da als in den 80gern?
Das würde ich auch so sehen. Es läuft sehr gut. Wir haben jetzt auch in vielen Ländern gespielt, die wir in den 80gern nicht beackert haben. Wir haben eine große Fan-Basis weltweit. Wir bekommen quasi jeden Tag Anfragen für irgendwelche Festivals. Ich denke da muss ich auch den Hauptjob ernst nehmen. Ich habe den anderen Jungs bei Destruction gesagt, als ich Headhunter angefangen habe, dass ich Destruction nicht vernachlässigen werde. Mit Headhunter habe ich so eine geile Abwechslung, wo auch mein Herzblut drin steckt, da habe ich eben keine Erwartungshaltung was Erfolg oder so angeht.
Was hat eigentlich der Schmuddel in der Zeit ohne Headhunter so gemacht? Von dir und Jörg Michael hat man irgendwie immer was gehört.
Der hat sich auch so ein wenig zurückgezogen und nur noch in einer Coverband gespielt. Dazu noch als Radiomoderator gearbeitet, er betreibt auch eine eigene Werbefirma wo er quer Beet alles macht. Von Hörbüchern, Radiojingels bis hin zur normalen Werbung und ist damit auch sehr ausgelastet und wenig Zeit gehabt für Mucke.
Er seinen Musikgeschmack und wird sich da nie ändern. Schmuddel ist ein Riesen-Priest-Fan und auch voll auf Van Halen, diesen Stil hat er super drauf. Er hat im laufe der Jahre sich nicht verändert. Das war sehr geil als wir uns getroffen haben, wurde erst mal ein Bier aufgemacht und über die alten Zeiten gelacht. Er hat auch immer noch die langen Haare.
Wenn er so eine Art Bürokrat kommen würde ohne Eier, hätte die Geschichte mit Headhunter überhaupt nicht mehr funktioniert.
Dann bin ich ja froh dass alles geklappt hat und Headhunter läuft. Ich bin soweit durch mit meinen Fragen. Hast du noch ein feines Schlusswort auf Lager?
Ja, ich bin voll zufrieden und finde es geil dass es mit Headhunter läuft. Das wäre nie passiert wenn die Fans nicht danach gefragt hätten. Lustigerweise haben Destruction in Wacken ja ihr Comeback gefeiert und als ich zum Gelände gekommen bin, hat mich so ein Schwede angerauscht und ich dachte der wäre Destruction-Fan, doch der hat sofort gefragt: Was ist mit Headhunter? Da habe ich mir gedacht, das gibt es ja wohl nicht. Aber schon da war mir klar das Headhunter immer noch in den Köpfen der Leute ist. Viele haben eben gedacht, da wird es nichts mehr geben, aber ich habe einfach warten müssen dass die Zeit reif ist. Gerade für so eine undergroundige Band, die eine Musik spielte die in den 90gern gar nicht angesagt war, ist das schon toll.
Dann danke ich dir für das Gespräch. Mal sehen vielleicht sprechen wir uns ja noch mal wieder.
Kein Problem ich habe dir zu danken. Ich denke wir versuchen noch eine zweite oder dritte Headhunter-Platte irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Ich denke auch mal dass die Plattenfirma das auch haben will. Wir haben ja in den 90gern nicht gerade freiwillig aufgehört. Da gab es eben keinen mehr der sich um den richtigen Metal gekümmert hat. Da gucke alles auf Seattle, Nirvana, Alternative oder Death-Metal.
Da fällt mir gerade noch ein, damals habt ihr euch quasi mit dem Erfolg in Japan über Wasser gehalten, oder?
Weil da die Plattenfirma hinter uns stand und richtig die Sachen unter die Leute bringt. Wir haben in Japan einen guten Status gehabt und auch ordentlich verkauft. In Europa ging halt nix, weil wir ab der zweiten Scheibe bei einer kleinen Firma waren. Das Debüt war zwar noch bei Virgin-Records, einer Riesenfirma, aber da sind Headhunter einfach in einer Schublade verschwunden. Dadurch wurde Japan also superaktuell, auch unsere ersten Konzerte waren in Japan.
Hat euch vielleicht die zweite Headhunter, diese „Bizzare Gardening..“-Scheibe mit dem grottigen Cover da irgendwie Fans gekostet?
Ja, vielleicht. Wir wollten da ja nicht den gängigen Konventionen entsprechen und haben da ein richtiges Anit-Metal-Cover gemacht.
Das ist euch in der Tat gelungen haha.
Völlig weg von den Schwertern und so. Weil wir es so machen wollten damals. Irgendwie völliger Quatsch, würde ich heute sagen, aber zu dem Zeitpunkt war das für eben eine gute Idee. Jetzt kann ich eher drüber schmunzeln.
Okay, dann habe ich jetzt aber.
Super, Jörg ich bedanke mich. Wünsche dir noch einen schönen Tag. Tschüß.










